Zeitungsartikel

 
Schwarzwälder-Bote, 29.04.2017



    
Ritter duellieren sich verbal
Schwarzwälder-Bote, 18.10.2013 20:20 Uhr


Die Oberschlaraffen der Hohenfreudenstadt (von links): Walter Rothfuß,Gustav Keinath und Stefan Mehler
Foto: Schwarzwälder-Bote

Freudenstadt. Der Verein Schlaraffia Hohenfreudenstadt feierte sein 50-jähriges Bestehen im festlichen Rahmen des Kurhauses in Freudenstadt mit Gästen aus aller Welt. Wer weiß schon, dass der Erbauer des Kurhauses und vieler anderer architektonischer Meisterleistungen in Freudenstadt, Ludwig Schweizer, Mitglied der Schlaraffia Hohenfreudenstadt war? Besser war er dort als Ritter Lulubu bekannt. Jetzt feierte eben dieser Verein sein 50-jähriges Bestehen.

Zuerst gab es ein köstliches kulinarisches Drei-Gänge-Menü, und danach folgten die geistigen Genüsse. Die Gäste kamen zahlreich. Fast 160 Schlaraffen feierten samt Frauen – schlaraffisch Burgfrauen genannt – Freunden und Ehrengästen. Der Oberschlaraffe des Vereins Hohenfreudenstatt, Gustav Keinath, freute sich, alle in der stilgerecht geschmückten und geweihten Festburg – dem großen Kursaal – begrüßen zu können.

Die Grußworte an die Festbesucher richtete Tourismusdirektor Michael Krause. Er ließ es sich nicht nehmen, mit seiner Frau nun schon zum zweiten Mal an einer Veranstaltung der Schlaraffia teilzunehmen, und nach einer beeindruckenden Rede überreichte er ein Gastpräsent an den Vorsitzenden Gustav Keinath. Nach dem opulenten Mal wurden den Gästen musikalische sowie dichterische Leckerbissen zuteil. Selbst Ritter Luja, Gerold Fischer, das letzte lebende Gründungsmitglied des Vereins, ließ es sich nicht nehmen, von einem eigens für ihn gefertigten Rednerpult ein paar Worte zu entrichten. Was folgte, war ein bunter Reigen musikalischer und vielfach hervorragend gereimter Beiträge, die den Gästen zeigten, was die Schlaraffen bei ihren wöchentlichen Treffen im Winterhalbjahr im Haus Schierenberg, der Hochtannburg, so alles machen.

Seit nunmehr 50 Jahren trifft sich eine Gruppe von Männern "im besten Mannesalter", um mit Freunden und Freuden – so das Motto des Festabends – der Kunst, Humor und Freundschaft zu frönen. Vor mehr als 150 Jahren wurde der Dachverband in Prag gegründet und breitete sich schnell auf der ganzen Welt aus.

Zurzeit gibt es weltweit etwa 265 schlaraffische Vereine, die sich auch gegenseitig gerne besuchen. Die Treffen werden als Spiel in Anlehnung an "die blaue Blume" der Romantik des Mittelalters in deutscher Sprache weltweit mit festen Regeln "gespielt". "Man fühlt sich überall sofort zu Hause", sagt Ritter Pro-Letheus, der Junkermeister und Verantwortliche für die schlaraffische Ausbildung des Nachwuchses.

Es gibt also auch wie im Mittelalter die Stände Knappen, Junker und Ritter, die jedoch alle gleichwertig betrachtet werden. Mit Fantasienamen und der Anrede in der dritten Person wird das Spiel in Kostümen, den Rüstungen, zelebriert. Es finden sogar Duelle statt – jedoch unblutig, mit Gedichten, musisch und auch malerisch, und die Gemeinschaft wählt den Sieger. Verlierer gibt es keine, denn Ziel ist es, sich nach dem Duell in Harmonie zu versöhnen.

Nach der Verabschiedung durch den Oberschlaraffen Ritter Pe-Eßle wurde getanzt.

Erste Bürgermesse gleich ein Hit
Lothar Schwark, 14.05.2012


Gut Gelaunt: Die Schlaraffen
Foto: Schwarzwälder-Bote

Freudenstadt - Mit der ersten Bürgermesse zeigten Bürger Freudenstadts, inklusive der Teilorte, die Verbundenheit zu ihrer Stadt. Rund 80 Aussteller boten eine abwechslungsreiche Erlebniswelt.

Ein sichtlich zufriedener Oberbürgermeister Julian Osswald dankte allen Ausstellern, Vereinen und Besuchern für deren Unterstützung. Das Kur- und Kongresszentrum Freudenstadt war die ideale Plattform für die gelungene und gut besuchte Veranstaltung. Die Idee für die Bürgermesse hatte Christine Kullen, Leiterin des Haupt- und Personalamts, von einer Veranstaltung in Ditzingen mitgebracht. Zum Organisationsteam gehörten außerdem Tourismusdirektor Michael Krause, Jasmin Schmieder, Referentin des Oberbürgermeisters, Christiane Wagner und Kerstin Harzer vom Haupt- und Personalamt sowie Reinhold Beck, der Leiter des Amts für Bildung, Familie und Sport.

80 Vereine, Kirchen und weitere Einrichtungen nahmen die Gelegenheit wahr, sich darzustellen. Den Besuchern wurde im Kienbergsaal von 10.30 bis 17 Uhr ein durchgehendes Bühnenprogramm von Vereinen und Kirchen geboten. "Ein wirkliches Erfolgsprogramm", stellte Osswald bei der Eröffnung fest, zu der neben vielen anderen Besuchern auch Landrat a.D. Gerhard Mauer, Otto Dewitz, Träger der Bürger-Medaille, sowie Stadträte, Ortsvorsteher und weitere Ehrengäste gekommen waren.

Eingebettet in die Bürgermesse war der Neubürgerempfang am Nachmittag. Dazu waren auch alle Freudenstädter Bürger eingeladen, die in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag oder ihre diamantene Hochzeit feiern – angelehnt an das Jubiläum 60 Jahre Baden-Württemberg. 289 Bürger werden im Jahr 2012 in Freudenstadt 60 Jahre alt, 24 Paare feiern ihre diamantene Hochzeit, informierte der Oberbürgermeister. Zahlreichen Neubürgern erläuterte Osswald Besonderheiten der Stadt.

"Sie haben hier alle Möglichkeiten", so das Stadtoberhaupt. Für ihn sei Freudenstadt mit seinen zahlreichen Tagesgästen die "Hauptstadt des Schwarzwalds".

Bei den Touristen habe Freudenstadt einen sehr guten Ruf. "Wir haben eine tolle Stadt, lassen Sie sich diese noch etwas näher bringen", forderte Osswald die Neubürger auf. Die Bürgermesse bot die richtige Plattform dafür.

Beim Mittmachprogramm gab es einen Tanzworkshop und Stadtführungen, die auf gute Resonanz stießen, Fahrten mit Dietersweilers neuem Feuerwehrauto, Filmvorführungen, Löschaktionen der Jugendfeuerwehr und vieles, vieles mehr. Auf der Bühne wirbelten verschiedene Tanzgruppen herum. Blaskapellen, Musik-Ensembles und Chöre erhielten viel Applaus. Vor dem Kongresszentrum konnte man im Segelflugzeug Probe sitzen oder in einem Simulatur erleben, wie es sich anfühlt, wenn sich ein Auto überschlägt. Der ADAC hatte ein Auto zum Crashtest mitgebracht.

Die erste Freudenstädter Bürgermesse erwies sich als voller Erfolg für alle Beteiligten. "Wiederholung in zwei Jahren nicht ausgeschlossen", so ein freudestrahlender Oberbürgermeister.



Eine fröhliche Tafelrunde
Schwarzwälder-Bote, 19.03.2012


Rainer Cichy als Zeremonienmeister verkündet die "einreytenden" Gastrecken.
Foto: Keck, Schwarzwälder-Bote

Von Gerhard Keck Freudenstadt. Was ist das, was sich dem Besucher in der Hochtannburg der Schlaraffia Hohenfreudenstatt, dem Haus Schierenberg, offenbart? Ein mittelalterliches Rollenspiel, eine karnevalistische Prunksitzung, eine Parodie auf die Ernsthaftigkeit des Alltags, eine Versammlung der Ritter von der Tafelrunde oder eine Spielwiese für gestresste Arbeitnehmer?Vielleicht von allem etwas. Der Gast ist etwas verwundert ob der prächtigen Gewandung der reinen Männerrunde und ihrer bewusst gestelzten, antiquierten, pseudomittelalterlichen Sprache, die in der Sippung (Versammlung) gepflegt wird. Weil es zu den Gepflogenheiten gehört, nicht ohne Kopfbedeckung der Sitzung beizuwohnen, will auch der Besucher kein Spielverderber sein und stülpt sich eine Kappe übers schüttere Haupthaar.

Die Schlaraffia Hohenfreudenstatt hat an diesem Abend Besuch. Da ist unter anderem eine Abordnung aus dem Mutterreych Hohentübingen angereist. In vollem Ornat präsentieren sich die honorigen Herren. Aber da lässt man sich nicht einfach auf einem Stuhl nieder. Vielmehr "reyten" nach dem Eröffnungsritual durch den Leiter des schlaraffischen Spiels, Stefan Mehler alias "Sägfix der singende Holzkoffer", die Gäste ein. Zeremonienmeister "Artik der mundharmonische Strichzieher" mit dem bürgerlichen Namen Rainer Cichy kündigt die würdigen Herren einzeln an. Die eigentümlich klingenden Namen beziehen sich auf die zivilen Berufe. Man steht und applaudiert unter gekreuzten Hellebarden und Schwertern. Ein Gastgeschenk wird überreicht, bevor schließlich die Sippung ihren Fortgang nimmt.

Die Schlaraffia Hohenfreudenstatt ist ein eingetragener Verein mit derzeit rund 20 Mitgliedern unter dem Vorsitz von Alfred Marte. Entsprechend werden auch die üblichen Regularien abgearbeitet, nur eben etwas anders. Gustav Keinath, "Pe-Eßle der Citro-Entliche", verliest das Protokoll der vorausgegangenen Sippung. Die Schlaraffen tragen sich ins kunstvoll gestaltete "Schmierbuch", eine gewöhnliche Teilnehmerliste, ein. Redebeiträge beginnen mit dem Appell "Schlaraffen, hört". Nach den Vorgaben eines Ceremoniales bietet sich den Teilnehmern Gelegenheit, sich in ernsten oder humorigen Beiträgen zu präsentieren. Der holden Weiblichkeit wird im Übrigen gefrönt bei gemeinsamen anderen Zusammenkünften und Feierlichkeiten, der Minnedienst findet lediglich im Privaten statt. Zugelassen sind die hohen Frauen bei der Sippung allerdings nicht.

Das Reych Hohenfreudenstatt wurde 1963 gegründet, im nächsten Jahr jährt sich sein Bestehen zum 50. Mal. Die Allschlaraffia als "Verbindung weltoffener und freundschaftlich verbundener Männer" geht zurück auf Mitglieder des Deutschen Theaters in Prag, die diese Bewegung im Jahr 1859 in Gang gesetzt haben. Die Schlaraffia ist der Toleranz verpflichtet und lehnt jeden Standesdünkel ab. Sie persifliert ihn genauso wie die "Bürokratenweisheit". Die so genannten "Sassen" gewanden sich in einer Robe, die sie "Rüstung mit Helm" nennen. In der Rolle als Knappe, Junker und Ritter pflegen sie Kunst und Humor in Wort und Gesang. Der Uhu ist das "schirmende Symbol, das alle Schlaraffen-Reyche weltweit gemein haben".

Zum ritterlichen Spiel treffen sich die Schlaraffen, durchweg gereifte Herren mit ehrbaren Berufen, in der "Winterung" von Oktober bis April jeweils mittwochs "Glock 8 d. A." in der Hochtannburg. Voraus geht die "Atzung Glock 7 d. A.". Gäste sind willkommen.

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